Street Art kommuniziert mit Dir

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Street Art Hamburg Schanze
StreetArt spricht zu Dir

„Der öffentliche Raum hat heute größtenteils seine Funktion als Diskursraum, als Kommunikationsraum der Stadtbewohner untereinander, verloren. Räume sind als Folge der Grund- und Bodenpolitik privatisiert und mit eigenen Regeln besetzt…“ (Krause/Heinicke 2010).

Street Art stellt sich gegen die Verbote, die uns die Stadt aufzeigt. Sie eignet sich den Raum an, an dem sie verweilen will. So wird der Ort, in dem Street Art vorhanden ist, als Diskursraum zwischen Betrachter und Street Art wiedererweckt und zurückerobert.

Street Art kommuniziert auf 2 Ebenen mittels verschiedener Kommunikationskanäle:

1. Die Kommunikation mit den Besuchern und Bewohnern

Zugangskanal
Street Art ist aufgrund seiner Positionierung im öffentlichen Raum für jeden Menschen zugänglich. Den an Bushaltestellen wartenden Menschen, der Mutter, die ihr Kind in den Kindergarten begleitet oder den Menschen, die ihren Einkauf erledigen. Somit erreicht Street Art Menschen jeglichen Alters, aus allen sozialen Schichten und verschiedenster Herkunft und vor allem auch Menschen:

“(…) die kaum je eine Ausstellung moderner Kunst besuchen würden.“ (Schmidt 2007).

Und genau so ist Street Art meines Erachtens auch zu verstehen. Der Grundgedanke von Street Art ist, sie für eine breitere Masse zugänglich zu machen und den Menschen, die sich nicht intensiv mit Street Art auseinander gesetzt haben, verständlich zu sein. Diese Kunstform soll Interesse wecken und Andere zum Nachdenken und Kritisieren der Gesellschaft anregen.

Anregungskanal
Bei Street Art geht es darum, den Blick des Passanten zu schärfen und ihn durch Veränderungen im Stadtbild zu überraschen. So können übliche Dinge im Stadtbild, wie Stromkästen, Straßenschilder oder Häuserfassaden, plötzlich einen Ausdruck bekommen, der uns dazu zwingt, dieses Objekt einmal anders zu betrachten oder darüber nachzudenken, wie der Künstler das Objekt angebracht hat. Street Art fordert unsere Fantasie heraus und stellt die Funktionen heutiger Stadträume in Frage.

Verhaltenskanal
Street Art kann das Verhalten von Passanten verändern, die beim Passieren eines Objektes, kurz abgelenkt von ihrem eigentlichen Ziel, innehalten und eine Veränderung wahrnehmen. Der Passant setzt sich einen Augenblick, herausgezogen aus seinen Gedanken, mit seiner Stadt und im besten Fall mit der Kunst auseinander und macht sich sein eigenes „Bild“.

Lehrkanal
Street Art kann auf historischen Hintergrund aufmerksam machen. So findet man in Berlin, in der Eberswalder Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg, eine Maus im Mao Tse Tung Outfit, die mit gehobener linker Faust, einem roten Stern und dem Ausspruch: „Yippie, Yippie, Krawalle“ auf die proletarische Geschichte des Prenzlauer Bergs erinnert. Street Art kann somit als Methode zum Transfer von geschichtlichem Hintergrund auf bestimmte Gebäude, oder einen Stadtteil etc. verstanden werden.

Atmosphärischer Kanal
Street Art setzt sich mit Atmosphären von Orten auseinander und intensiviert sie, macht manche Orte erst dadurch wahrnehmbar. Durch die Objekte werden die Orte intensiver und spiegeln einen Aspekt des Ortes wieder. Sie verweisen auf die Qualität eines Ortes. Die Tatsachen, dass Street Art Künstler meist verlassene und gesellschaftlich ausrangierte Gebäude für ihre Kunst suchen, macht Street Art umso spannender. Dieser Weg gibt der Kunst etwas Mysteriöses, Aufregendes, und Interessantes was wiederum im Wert steigen kann (Der verbotene Ort).

Politischer Kanal

Street Art kann auf 3 Ebenen politisch wirksam werden:

Street Art Hamburg
Street Art ist ein politisches Mittel

1. Durch Raumaneignung und –umdeutung
Meint die

„autonome Gestaltung des eigenen, städtischen Lebensumfeldes herbeizuführen“ (Schmid 2009).

Hierbei geht es um die aktive Mitgestaltung des öffentlichen Umfeldes ohne Genehmigungen und gegen die Regeln und Gesetze der Stadtväter.

2. Durch die inhaltliche Aussage
Street Art hat fast immer eine Message zu transportieren und kann als politischer Ausdruck angesehen werden. Viele Arbeiten sind vielfach interpretierbar und verschieden deutbar.

3. Durch die Errichtung von alternativen Mitteilungskanälen mit anderen Stadtbewohner/innen abseits der offiziellen Kommunikationswege.

Alternativ zu der „Ein – Weg – Kommunikation“ (Sender ⇒ Empfänger), versucht Street Art Impulse für eine selbstständige Interaktion zwischen Objekt und Betrachter zu schaffen (Sender⇒ Empfänger ⇒ Sender). Weiter noch kann diese Interaktion soweit führen, dass Betrachter in das Gestaltungsspiel mit einsteigen.

3. Die Kommunikation innerhalb der Szene
Street Artists kommunizieren mittels ihrer Objekte aber auch untereinander. Gabbert stellt 2007 in seiner Masterarbeit grundsätzlich fest, dass Pionierarbeiten auf neuen Flächen weitere Arbeiten anderer Künstler nach sich ziehen. Das können Kommentare oder Ergänzungen sein. Es entstehen somit Collagen und Bedeutungsgeschichten, die sich im Laufe der Zeit als

„interaktiver visueller Roman auf der Wand“ (Gabbert 2007)

entwickeln. Der Betrachter beginnt Street Art zu „lesen.“

Quellen:
Gabbert, J.: Street Art: „Kommunikationsstrategie von Off-Kultur im Urbanen Raum. Masterarbeit.
Lorenz in Klitzke, K., Schmidt, C. (Hrsg.): Street Art „Legenden zur Strasse“

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